|
Entscheider und Führungskräfte in Unternehmen und anderen Organisationen werden zunehmend mit der Bedeutung des Erlebens und Verhaltens von Menschen konfrontiert. Wichtige Aspekte des Wirtschaftslebens wie Arbeitsleistung und Produktivität, Absatzzahlen, Aktienkurse oder auch gesamt-ökonomische Aspekte wie das Bruttoinlandsprodukt oder Unternehmensgründungen sind das Ergebnis der Entscheidungen von Menschen.
Das lässt sich mit Bildern vereinfacht darstellen:
-
Der Mitarbeiter, der sich weiterbildet und motiviert arbeitet - oder eben auch nicht und damit die Produktivität beeinflusst.
-
Oder das Bild eines Konsumenten, der ein Angebot kauft und ein anderes nicht und damit den Absatzzahlen zu Grunde liegt.
-
Ein Investor, der Gewinnerwartungen an ein Unternehmen knüpft, sich für den Kauf einer Aktie zu einem gewissen Preis entscheidet und so mit den anderen Investoren den Aktienkurs bestimmt.
-
Das Bild eines jungen Unternehmers, der sich entscheidet ein Startup zu gründen, Kunden gewinnt und damit das Bruttoinlandsprodukt erhöht.
Alle wirtschaftlichen Strukturen - wie Unternehmen, Handelsnetze,
Kundengruppen oder Marktsegmente – und sämtliche Prozesse in der
Wirtschaft - wie z.B. Konsum, Investition oder Arbeit – sind
somit letztendlich das Ergebnis des Verhaltens einzelner Individuen oder
hängen stark davon ab.
Als Fazit lässt sich festhalten: Will man wirtschaftlichen
Gegebenheiten erklären, vorhersagen oder beeinflussen, dann führt kein
Weg am Verständnis des Erlebens, Verhaltens und Handelns von Menschen
im Wirtschaftsleben vorbei. Das ist das Handlungsfeld der Wirtschaftspsychologie.
Abbildung: Wirtschaftspsychologie
Psychologie generell ist die empirische Wissenschaft vom Erleben und Verhalten der Menschen. Als Teilbereich der Psychologie ist Wirtschaftspsychologie definiert als die empirische Wissenschaft vom Erleben und Verhalten der Menschen im wirtschaftlichen Kontext.
Der Bedarf an Wirtschaftspsychologie nimmt zu, denn rein technische Fachkenntnisse und Kompetenzen sind zwar wichtig aber heute oft nicht mehr ausreichend für Erfolg. Im zunehmendem Wettbewerb um die Entscheidungen der Kunden und die leistungsfähigsten Mitarbeiter und Teams bietet die Wirtschaftspsychologie die geeigneten Instrumente. Um
diesen Herausforderungen zu begegnen, orientieren sich viele Unternehmen neu. So trifft man zunehmend auch direkt unter der
Vorstandsebene funktionsübergreifende Strukturen, die sich ausschließlich mit dem Erleben und Verhalten der Kunden oder Mitarbeiter beschäftigen. Auch bei internen
Herausforderungen wie Change-Prozessen und Fusionen wird verstärkt die
psychologische Komponente als erfolgskritisch, ja sogar als ausschlaggebend, betrachtet.
Die Inhalte in diesen Kapiteln liefern wertvolle Entscheidungshilfen und Modelle, um anwendungsbezogene Fragen effektiv zu lösen, wie etwa:
-
Was ist für das Design effektiver Arbeitsteams zu beachten?
-
Wie können welche Mitarbeiter in welcher Situation erfolgreich geführt werden?
-
In welcher Form können Informationen optimal an eine Zielgruppe übermittelt werden?
-
Wieso sind Kunden bereit für das Angebot einer Firma mehr zu zahlen als für das objektiv gleiche Angebot von Wettbewerbern?
-
Warum entscheiden sich Kunden für ein bestimmtes Angebot?
-
Wie kann man Kunden gewinnen und binden?
-
Warum sorgen junge Menschen nicht ausreichend für ihr Alter vor?
-
Wie und warum entstehen Spekulationsblasen und Panikreaktionen auf Märkten?
Dieses Kapitel gibt einen einführenden Überblick über die
Wirtschaftspsychologie, bevor andere Kapitel sich spezifischen wirtschaftspsychologischen Themen widmen.
Nach einem Einblick in den Kontext der
Wirtschaftspsychologie geht der Text auf Psychologie als Wissenschaft ein. Er
zeigt die Rolle der Wirtschaftspsychologie innerhalb der Psychologie. Zentrale Herausforderungen und deren Einflüsse auf Forschung und Anwendung der
Disziplin werden herausgestellt.
Darauf folgt eine Darstellung
der Teildisziplinen innerhalb der Wirtschaftspsychologie. Das Kapitel schließt mit der Darstellung aktueller Entwicklungen, welche die Wirtschaftspsychologie beeinflussen.
|