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Die Welt ist komplex. Zumindest treten zahlreiche Herausforderungen
auf, wenn Wissenschaftler sich aus dem ‚Elfenbeinturm' der Grundlagenforschung
wagen und versuchen, generalisierbare Theorien zu entwickeln, die in verschiedenen
Anwendungskontexten Gültigkeit haben.
Schnell wird klar: Es gibt wenig allgemeingültige Gesetze in der Wirtschaftspsychologie!
Unterschiedliche Personen Verhalten sich
beispielsweise in der gleichen Situation ganz anders (z.B. Preissensibilität verschiedener Personen - nicht jeder Kunde schaut nur auf den
Preis).
Auf der anderen Seite: Die selbe Person verhält sich in anderen Situationen oft sehr
verschieden (z.B. Preissensibilität bei Getränkekauf in einer Diskothek vs. Getränkekauf im Supermarkt).
Ein anschauliches Beispiel für Herausforderungen bei der Generalisierung von Thorien und Ergebnissen ist Kundenzufriedenheit. Je nach Geschäftsfeld, vertikaler (preislicher)
Positionierung des Angebotes, Kundensegment, Anbieter und Angeboten der
Wettbewerber oder lang- oder kurzfristiger Perspektive sind gänzlich andere Maßnahmen für die Kundenzufriedenheit bedeutsam. Es wäre schwer, eine einzelne Theorie zu entwickeln, die Kundenzufriedenheit in allen Bereichen erklären kann.
Die Welt ist also nicht nur komplex: Die Welt ist zunehmend dynamisch. Das amcht die Halbwertszeit für Theorien, die nahe an der Anwendung bestehen sollen, umso kürzer. Wertewandel und gesellschaftliche Dynamik führen auch hier zu einer
immer kürzeren Brauchbarkeit der Modelle.
Für die Angewandte
Psychologie, insbesondere für die Wirtschaftspsychologie sind das große
Herausforderungen. Unterscheidet man Generalisierbarkeit
in
dann können kaum
allgemeingültige Gesetze entwickelt werden.
Abbildung: Generalisierbarkeit
Die Theorien haben immer nur in
bestimmten Kontexten Gültigkeit. Diese Kontexte (kulturelle, technologische,
soziologische) sind dynamisch und extrem komplex. Sogar der Mensch selbst als
biologischer Organismus ist evolutionären Veränderungen unterworfen.
Die
Wirtschaftspsychologie versucht dieser Herausforderung durch Kontingenzmodelle zu begegnen, die relevante
Rahmenbedingungen berücksichtigen. Theorien beschreiben zunehmend Kontexte. Hypothesen,
die aus den klassischen Theorien abgeleitet werden, sind meist in der einfachen
‚Wenn A dann B' Form vorhanden. Ein Beispiel wäre: Wenn der Preis günstiger
wahrgenommen wird, steigt die Kauffrequenz.
Kontingenzmodelle
stellen andere Hypothesen zur Verfügung: ‚Unter den Rahmenbedingungen C führt A zu B.' Ein Beispiel
wäre: Bei preissensiblen Zielgruppen, wenn der Preis kein peripherer
Hinweisreiz auf die Qualität ist, wenn es kein Prestigegut ist etc. führt eine
wahrgenommene Preissenkung zu einem Anstieg der Kauffrequenz.
Trotz der
Kontingenzmodelle ist die Wirtschaftspsychologie weit davon entfernt, für
praktische Probleme eine funktionierende Lösung einfach aus den theoretischen
Modellen und Publikationen entnehmen zu können. Das führt auch zu einer
gewissen Kluft zwischen den praktisch tätigen Psychologen in der
Wirtschaftspsychologie und der Angewandten Psychologie. Vor Ort in der Praxis
hängt viel von einer passenden Lösung ab (sei es bei Produktentwicklung,
Werbewirkung oder Personalentwicklung) und es wird dafür meist eigene Forschung
betrieben, um das Risiko einzugrenzen und eine maßgeschneiderte Lösung zu finden Ein praktischer Psychologe formulierte kürzlich:
„Meine Kunden wollen nicht wissen, wie es theoretisch geht - Die wollen
eine Lösung!"
Auch
mit den Kontingenzmodellen wird die Angewandte Psychologie daher nie Lösungen
aus der Schublade ziehen können, wie das bei anderen Naturwissenschaften der
Fall sein mag. Diese Modelle haben aber hohen heuristischen Wert auf
Risiken und Chancen hinzuweisen und die Unsicherheit bei praktischen
Entscheidungen in der Wirtschaft zu reduzieren. Dennoch wird wegen der
Komplexität der Variablen und der Dynamik bei weit reichenden Entscheidungen
immer eigene praktisch-psychologsiche Forschung (z.B. Pretests und
Evaluationen) notwendig sein.
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