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16. Marktforschung und Marktpsychologie E-Mail
Die Marktpsychologie beschäftigt sich mit dem Erleben und Verhalten aller an Märkten beteiligten Personen. Diese Personen sind Nachfrager, Anbieter und Funktionäre, wobei der Fokus innerhalb innerhalb der Forschung insbesondere bei Nachfragern liegt.

Als angewandte Wissenschaft steht die Marktpsychologie in engem Austausch mit der Anwendung, entwickelt Theorien und Konzepte mit Anwendungsnutzen. Der akute Bedarf an Ad-hoc Studien war noch nie so hoch wie im Jahr 2006. Alleine 59% aller Aufträge haben zum Ziel den kurzfristigen Informationsbedarf von Unternehmen zu decken. Insbesondere Produkt-, Preis-, und Markttest helfen, die Bedürfnisse der Konsumenten zu erkennen, um Produkte und Dienstleistungen im nächsten Schritt zielgruppenspezifisch zu vermarkten. Um einen optimalen Vermarktungserfolg - also das positive Zusammenspiel von „product, price, place und promotion“ erzielen zu können, ist es meist unerlässlich, auf marktpsychologische Theorien und Methoden zurückzugreifen. Die erlebnis- und verhaltensmäßigen Reaktionen der Nachfrager auf das Produkt sollen gezielt untersucht werden, die Preispolitik auf Zahlungsbereitschaften der Konsumenten oder die Wettbewerbssituation abgestimmt werden, Kommunikationsmaßnahmen optimal platziert und Vertriebskanäle verbessert, ausgebaut oder neu entwickelt werden. Hier ist es von besonderer Bedeutung, die erforderlichen Daten unter Einbezug der marktpsychologischen Untersuchungsfelder und -methoden in einer eigens dafür konzipierten Untersuchung zu erheben.

Marktforschung und Marktpsychologie sind insofern miteinander verknüpft, als dass einerseits das Wachstum der Marktforschungsbranche die Entwicklung und Ausgestaltung des Feldes der Marktpsychologie und dem damit zusammenhängenden Marketing-Mix von Unternehmen vorantreibt und intensiviert. Auf der anderen Seite waren und sind es stets psychologische Methoden, welche die Marktforschung besonders geprägt und beeinflusst haben. Im qualitativen Bereich der Interviews und Fokusgruppen ohnehin. Aber auch im Bereich der quantitativen Befragungen mit diagnostischen Testinstrumenten, der gesamten Einstellungs-, Usability-, Produktakzeptanz- und Werbewirkungsforschung. Aus diesem Grund ist die Bedeutung der Marktpsychologie als Innovationsmotor für die Marktforschung und umgekehrt als besonders hoch einzustufen.
Der 99%-ige Anteil an Primärdaten setzt sich aus quantitativen (92%) und qualitativen (7%) Untersuchungen zusammen. Somit ist der Fokus auf quantitativen Methoden klar ersichtlich, wirft aber gleichzeitig die Frage auf, welche Auswirkungen bzw. Implikationen dieses ungleiche Verhältnis auf die Marktpsychologie besitzt. Denn Produkte und Dienstleistungen bedürfen nicht nur der quantitativen Erforschung, sondern gerade zur Erforschung von Erleben und Verhalten ist der vermehrte Rückgriff auf qualitative Methoden wie Fokusgruppen, qualitative Usability-Studien oder Interviews erforderlich. Sie helfen insbesondere bei der Entwicklung kreativer Ideen und werden zur Suche nach Neuem und Unerforschtem eingesetzt, wenn die Antwortmöglichkeiten noch unbekannt sind. Deshalb eignen sie sich besonders gut, um Motive, Einstellungen und auch Erwartungen zu Tage zu fördern und die (psychologische) Komplexität des menschlichen Verhaltens besser zur erforschen. Zudem fehlt in zahlreichen Branchen, wie etwa der Telekommunikationsindustrie bei vielen Fragestellungen die Zeit für umfangreiche quantitative Untersuchungen.
Reaktionen auf Wettbewerber müssen oftmals so schnell erfolgen, dass gerade noch Zeit für Tests in Fokusgruppen aus Kunden besteht und dann auch schon der Markteintritt erfolgt. Länder wie beispielsweise USA und UK, die die Top Player innerhalb der Marktforschungsbranche darstellen, betreiben daher bereits wesentlich mehr Qualitative Forschung. Der Anteil liegt in Großbritannien bei 12% und in den Vereinigten Staaten bei sogar 16%.
Es ist daher abzusehen, dass auch in Deutschland die qualitativen Methoden einen verstärkten Einzug halten werden.
 
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