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10. Datenerhebung in Verbraucherpanels E-Mail

Allgemein ist bei der Erhebung im Verbraucherpanel darauf zu achten, dass einerseits im Sinne des Instituts die Vollständigkeit und Genauigkeit der Untersuchung nicht gefährdet wird und andererseits der Erhebungsvorgang für die Panelteilnehmer einfach und bequem gestaltet ist (Ergonomie und Convenience). Dazu tragen die unterschiedlichen Erhebungsmethodiken bei, die den individuellen Wünschen der Panelteilnehmer Rechnung tragen. So kommt es zum Abbau von Hemmnissen, was wiederum der Panelmortalität entgegen wirkt.

Das Verbraucherpanel zeichnet sich durch eine Vielfalt an Datenerhebungsmethoden aus. Die nachfolgende Abbildung gibt einen Überblick.

 

Ueberblick_ueber_Erhebungsmethoden_im_Verbraucherpanel.jpg
Abbildung: Überblick über Erhebungsmethoden im Verbraucherpanel


Die Datengewinnung im Verbraucherpanel erfolgte lange Zeit schriftlich. Hierbei füllen die Panelteilnehmer einen Berichtsbogen aus, der periodisch (in der Regel wöchentlich) an das Institut eingesendet wird und dessen Zweck es ist, die Einkäufe (nicht den Verbrauch) des Haushaltes zu erfassen. Diese Methode nennt sich schriftliche Kalendermethode (Diary-Methode), weil die Vordrucke vielfach in einem Kalender zusammengefasst sind. Mit derartigen Berichtsbogen können Standard- (z.B. Einkaufsmengen) und Zusatzinformationen (z.B. Markentreue) gewonnen werden. Die Daten, die mit Hilfe des Berichtsbogen erfasst werden, beinhalten das Datum des Einkaufs, die Einkaufsstätte (Name, Art und Ort/Region des Geschäftes) und die eingekauften Produkte (Art und Marke des Produktes, Packungsgröße, Menge, Preis). Die zusätzliche Informationen lassen sich durch Segmentierung nach soziodemografischen oder psychologischen Merkmalen der Panelteilnehmer gewinnen.

Die traditionelle Kalendermethode wird vor allen Dingen bei Produkten angewendet, bei denen keine EAN Codierung (European Article Number) als Strichcode auf den Produkten vorhanden ist. Dieses schriftliche Erfassen ist allerdings in der gesamten Handhabung sehr aufwändig (Eintragung, Postversand, Kontrolle der Berichtsbögen, manuelle Dateneingabe).

 

Daher werden derzeit drei bzw. vier weitere Erhebungsverfahren eingesetzt, die primär auf der Erfassung des EAN-Codes (POS-Scanning, Inhome-Scanning, Electronic Diary) als auch der Erfassung über das Internet beruhen (vgl. Günther, Vossebein & Wildner, 2006, S.40).

 

  • Beim POS-Scanner Panel (POS steht für Point of Sale) besitzt jeder Panelhaushalt eine Identifikationskarte. Sie wird bei jedem Einkauf in den kooperierenden Geschäften vorgezeigt und über den Scanner gezogen. Die EAN-Codes sowie die Mengen und Preise der gekauften Artikel werden zusammen mit der Haushaltsnummer, die als Barcode auf die Identifikationskarte gedruckt ist, gespeichert, an das Marktforschungsinstitut übertragen und haushaltsbezogen ausgewertet.

  • Das Inhome-Scanning vollzieht den Kassiervorgang im Einzelhandel nach. Mit einem entsprechenden Gerät (Handscanner) liest der Panelteilnehmer den EAN-Code der eingekauften Produkte eigenständig ein. Für nicht EAN-codierte Artikel erhält der Panelteilnehmer ein Buch, das die entsprechenden Barcodes enthält. Der Handscanner speichert alle eingegebenen Daten, die dann nachts über die Telefonleitung vom Institut abgefragt werden (vgl. Berekoven, Eckert & Ellenrieder, 2006, S. 133).

  • Die elektronische Kalendermethode (Electronic Diary) stellt eine Weiterentwicklung des Inhome-Scanning dar. Während beim Inhome-Scanning für nicht EAN-codierte Artikel zusätzliche Codebücher erforderlich waren, sind diese beim Electronic Diary überflüssig, weil der Artikel mit Hilfe des Gerätes eingegeben werden kann. Dabei tippt der Panelteilnehmern zunächst die Einkaufsstätte ein, es folgt die Eingabe der Grobkategorie (z.B. „Essen) und aus einer Liste von Zugehörigen Warengruppen ist der Artikel auszuwählen.

 

Neben den soeben vorgestellten Erhebungsmethodiken gewinnt die Interneterfassung im Verbraucherpanel immer mehr an Bedeutung. Beim Scan-It-Verfahren der GfK wird der EAN-Code auf der Packung mit einem Scannerstift erfasst und über das Internet an das Marktforschungsinstitut übertragen. Das Institut liefert daraufhin die Artikeltexte zurück, so dass der Haushalt Menge, bezahlten Preis und Einkaufsstätte eintragen kann. Im letzten Schritt werden die erfassten Daten wiederum online an das Institut zurückgeschickt.

 

Im Verbraucherpanel führte die Erhebung mittels Scannertechnologien dazu, dass die Informationen für das Marketing detaillierter, reliabler und schneller verfügbar sind.

 

Abschließend fasst die nachfolgenden Tabelle die vorgestellten Erhebungsmethodiken im Verbraucherpanel zusammen und gibt einen Überblick über die Vor- und Nachteile des jeweiligen Verfahrens.

 

Verbraucherpanel (Haushaltspanel)

 


Zentrale Fragestellung: Welcher Konsument bzw. Personenkreis kauft welche Güter?  


Erhebungsmethode

 

 

Bewertung

 


Schriftliche Kalendermethode (Diary-Methode)

 

Berichtsbogen ausfüllen (schriftlich)

Zweck: Einkäufe (nicht den Verbrauch) des Haushalts erfassen

keine EAN-Code-Erfassung (da nicht vorhanden)

 

Vorteile

Jeder Artikel (ob EAN-codiert oder nicht) verursacht den gleichen Eingabeaufwand

Akzeptanz dieser Methode auch von nicht „technikaffinen“ Zielgruppen

Erfassung des ganzen Sortiments (und nicht wie bei der schriftlichen Kalendermethode bestimmte Warengruppen)

Erfassung auch ohne vorliegende Packung möglich

Nachteile

Hoher Aufwand pro einzutragendem Artikel für Panelteilnehmer

Konsequenz: Beschränkung der Erhebung auf bestimmte Warengruppen, limitierte Analyse von Sortiment und Warenkörben

Hoher Aufwand für das Institut (Druck des Kalenders, Versand zum Haushalt, manuelle Eingabe in den Computer)

Langsamer Prozess durch mehrfachen Postversand

Geringe Präzision der eingetragenen Artikel (Panelteilnehmer tragen häufig Informationen nicht vollständig ein

 


POS-Scanner-Panel

 

EAN-Code-Erfassung

Einkäufe werden mit einer Identifikationskarte je Haushalt erfasst

Speicherung, Übertragung und Auswertung der EAN-Codes, Mengen und Preise der gekauften Artikeln und Haushaltsnummer (als Barcode auf Identifikationskarte)

 

Vorteile

Aufwand für den Haushalt auf Minimum beschränkt

→ leichtere Rekrutierung der Teilnehmer

→ geringere Panelsterblichkeit

Teilnahme am Panel führt nicht zu Bewusstwerdung (vgl. Paneleffekte S. 112 ) (es müssen keine weitere Daten eingegeben oder aufgeschrieben werden)

Nachteile

Methode für manche Warengruppen unbrauchbar, weil nur EAN-codierte Produkte erfasst werden können

Geschäft muss mit Scannerkasse ausgestattet sein

Anpassung der Software der Scannerkasse an die Anforderungen des POS-Scannings

Derzeit für flächendeckenden Einsatz nicht geeignet

 


Inhome-Scanning

 

EAN-Code-Erfassung

Panelteilnehmer lesen den EAN-Code der eingekauften Produkte mit einem Handscanner eigenständig ein

nicht EAN-codierte Artikel müssen mit Hilfe des Codebuchs eingetragen werden

Speicherung der Daten im Handscanner und Übertragung an das Institut über die Telefonleitung

 

Vorteile

Aufwand für den Haushalt relativ gering

→ leichtere Rekrutierung der Teilnehmer

→ geringere Panelsterblichkeit

Produkte ohne EAN-Code können manuell erfasst werden

Nachteile

Codebuch erhöht den Aufwand für Panelteilnehmer

Codebuch muss regelmäßig gedruckt und versendet werden

 


Elektronische Kalendermethode (electronic diary)

 

EAN-Code-Erfassung

Weiterentwicklung des Inhome-Scanning

Codebuch nicht mehr erforderlich

 

Vorteile

Aufwand für den Haushalt auf Minimum beschränkt

→ leichtere Rekrutierung der Teilnehmer

→ geringere Panelsterblichkeit

Kein Codebuch mehr erforderlich

→ Artikelstamm kann sehr leicht aktualisiert werden


Interneterfassung

 

Scan-It-Verfahren der GfK

EAN-Code-Erfassung mit Scannerstift

Einlesen des EAN-Codes, Übertragung per Internet an das Institut, Rücklieferung der Artikeltexte, Eintragung von Menge und Preise, Verschicken der Daten per Internet an das Institut

 

Vorteile

Schnellere Erfassung (da PLZ wegfallen)

Daten bereits in maschinenlesbarer Form

→ Wegfall manueller Übertragung vom Kalender in den Computer

Modernes Medium schafft hohe Akzeptanz bei jungen Zielgruppen

Nachteile

Noch keine vollständige Internetabdeckung in Deutschland (Internetnutzer in Deutschland 2007: 60,2%)


Tabelle: Zusammenfassung vorgestellter Erhebungsmethoden (vgl. Günther, Vossebein & Wildner, 2006, S.40-49)
 
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