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Eine kontroverse Diskussion ist die Frage, ob Werbung Bedürfnisse schaffen kann, die Menschen zuvor nicht gehabt haben.
Die Werbeindustrie bestreitet dies seit jeher und hat investiert, um
diese Botschaft auch zu verbreiten, wie folgendes Beispiel aus
vergangenen Zeiten zeigt.

Abbildung: Lobbyismus der Werbeindustrie
Das Werbebeispiel der Lobbygruppe American Association of Advertising Agencies ist etwas entlarvend, da es der Industrie
mittlerweile sehr gut gelungen ist, auch Frauen für Rasierklingen und
Rasierschaum zu gewinnen.
Auch wissenschaftlich ist die Sachlage kontroverser als von der
Werbeindustrie dargestellt. Bedürfnisse und konkrete Motive können im
Marketing sehr wohl erzeugt werden. Ein einfaches Beispiel ist das
Erzeugen und Verstärken von Durst durch salzige Nahrung, hohe
Außentemperatur, sozialer Ansteckung (Menschen essen und trinken mehr in der Gruppe als alleine)
und viele weitere geeignete Stimuli.
Ähnlich wird durch das billige Anbieten von Tintendruckern erst das
Bedürfnis geschaffen, fortwährend teure Patronen nach zu kaufen. Eine
Strategie, die als Captive Product Pricing auch bei Rasierklingen,
Wasserfiltern und vielen anderen Zubehörteilen angewendet wird.
Die Frage, ob nun Werbung alleine ähnliches bewirken kann, sollte
vielleicht so beantwortet werden: Im Zusammenspiel mit anderen
Marketingaktivitäten kann Werbung Bedürfnisse erzeugen und verstärken,
besonders aber konkrete Motive verändern, die auf Bedürfnissen
aufbauen.
Die Frage, ob Werbung Bedürfnisse erzeugen kann, ist vielleicht auch eher wenig zentral, da für das Verhalten und die Nachfrage entscheidend nicht die ungerichteten Bedürfnisse, sondern die
konkreten Motive sind. Diese konkreten Motive können durch Werbung erzeugt,
verändert und verstärkt werden. So gibt es bei Menschen sicherlich
bereits angeboren das Bestreben attraktiv zu sein, da dies eine
Voraussetzung ist, genetisch hochwertige Sexualpartner zu gewinnen.
Werbung kann auf dieser Basis das konkrete Motiv, sich als Frau
Rasierzubehör zu kaufen und anzuwenden, platzieren und gegenüber
anderen möglichen Motiven fördern.
Das nächste Kapitel listet weitere Vorwürfe an die Wirtschaftspsychologie auf.
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